Neu ab 2022: Leistungszuschlag für Eigenanteil an den Pflegekosten

Ab dem 1.1.2022 zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung gemäß § 43c SGB XI bei stationärer Unterbringung im Pflegeheim einen Leistungszuschlag zum sogenannten Eigenanteil. Dieser ist wie folgt zeitlich gestaffelt:

 

1.-12. Monat 5 %

13.-24. Monat 25 %

25. -36. Monat 45 %

ab dem 37. Monat 70 %

 

Wichtig:

Der Leistungszuschlag bezieht sich nur auf die pflegebedingten Aufwendungen und die Ausbildungskosten. Nicht auf die Kosten der Unterkunft und Verpflegung sowie der Investitionskosten. Als erster Monat zählt der Monat der Aufnahme in ein Pflegeheim, auch wenn z.B. erst zur Mitte des Monats der Pflegebedürftige ins Pflegeheim kommt.

 

Beispiel:

 

Anhand einer typischen Pflegeheimabrechnung möchte ich Ihnen diese gesetzliche Neuregelung erläutern (ich habe eine real existierende Rechnung genommen, aber die Beträge gerundet).

Die Pflegeheimrechnung weist bei einem Pflegegrad 4 folgende Kostenpositionen auf.

 

2.850 Euro Pflegesatz PG 4

     50 Euro Ausbildungskosten

 

  445 Euro Unterkunft

  375 Euro Verpflegung

  550 Euro Investitionskosten

4270 Euro Summe

 

Zu diesen Kosten erhält der Pflegebedürftige bei Pflegegrad 4 einen Zuschuss von 1775 Euro wie bisher. Nun erfolgt noch die Berechnung des neuen Leistungszuschlages. Für diesen sind nur die pflegebedingten Aufwendungen entscheidend. Also 2850 Euro Pflegesatz und 50 Euro Ausbildungskosten ergeben zusammen: 2.900 Euro. Hiervon ist der bisherige Zuschuss von 1.775 abzuziehen. Übrig bleibt ein Eigenanteil an den pflegebedingten Aufwendungen von 2900-1775 =1125 Euro. Im Bezug auf die 1125 Euro trägt die Pflegeversicherung den Leistungszuschlag. Also im ersten Jahr 5 %, ergibt 56, 25 Euro. Im zweiten Jahr 25 %, ergibt 281, 25 Euro. Im dritten Jahr 45 %, ergibt 506, 25 Euro. Ab dem vierten Jahr 70 %, ergibt 787, 50 Euro. Im Bezug auf die obige Pflegeheimrechnung ergibt sich also ein Gesamtkostenanteil des Pflegebedürftigen von: 

 

1. Jahr:

 4.270 Euro

-1.775 Euro

-     56, 25 Euro

 2.438, 75 Euro

 

2.Jahr:

 4.270 Euro

-1775 Euro

- 281, 25 Euro

2.213, 75 Euro

 

3.Jahr:

 4.270 Euro

-1.775 Euro

-  506, 25 Euro

1.988, 75 Euro

 

4.Jahr:

 4.270 Euro

-1.775 Euro

-   787, 50 Euro

1.707, 50 Euro

 

Allerdings können sich durch die Tarifbindung und der damit steigenden pflegebedingten Aufwendungen sowie der sonstigen steigenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investition die vom Pflegebedürftigen zu tragenden Kosten entsprechend erhöhen. Der Leistungszuschlag steigt dann natürlich auch etwas, aber eben nicht in dem Maß, wie die übrigen Kosten. 

 

In den Bundesländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen gibt es - abhängig von Einkommen und Vermögen des Pflegebedürftigen- das Pflegewohngeld, was die Investitionskosten abfedern kann. Dies übrigens auch, wenn der letzte Wohnsitz des Pflegebedürftigen vor Übersiedlung in ein Pflegeheim in den dortigen Bundesländern lag. Z.B. die Tochter holt die Mutter aus Schleswig-Holstein zu sich nach Berlin in ein Pflegeheim. Dann ist weiterhin Schleswig - Holstein für das Pflegewohngeld zuständig.

 

Sollte der Pflegebedürftige die verbleibenden Kosten nicht oder nicht vollständig tragen können, übernimmt das Sozialamt auf Antrag die Kosten.

 

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weitere Informationen zu den Leistungen der Pflegeversicherung erhalten Sie hier.

 

Es gibt auch Neuerungen bei der Bestandsschutzregelung des § 141 SGB XI ab dem 1.1.2022, die allerdings hier jetzt nicht näher ausgeführt werden.Die Bestandsschutzregelung betrifft ohnehin nur Personen, die schon vor dem 1.1.2017 pflegebedürftig waren.

 

Stand 2.1.2022

 

 

 

 

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